Donnerstag, 7. April – 19:30 Uhr

„Wenn Kinder rechtsextrem werden. Mütter erzählen“,
so der Titel des Buches von Claudia Hempel.
Die Interviewerin und Autorin des Buches wird am
7. April 2011 um 19.30 Uhr
in der „Alten Dorfschule Rudow“,
Alt Rudow 60, 12355 Berlin
aus ihrem Buch lesen und die Geschichten der Mütter lebendig werden lassen.
Sie sitzen im Wohnzimmer – vor ihnen liegen die Fotos ihrer Kinder: Babys, Kleinkinder, Schulkinder mit offenen, lebendigen Gesichtern und großen Augen, die mit Neugier in die Welt blicken. Heute sind aus den niedlichen Kleinen Nazis geworden. Brutale Schläger mit Glatze und Bomberjacke oder auch Intellektuelle der neuen braunen Eliten.
Hilflos erzählen die Mütter ihre Geschichte, die von durchweinten Nächten, handfesten Aus-einandersetzungen, Versagensängsten und Schuldgefühlen handelt. Verantwortung trägt aber auch das kollektive Schweigen, das Verdrängen des Jugendamtes, der Schule oder der Nachbarn. Dies ist die Plattform für ein anfangs unbeholfenes, später verfestigtes rechtsextremes Weltbild.
So setzt sich aus den Interviews ein vielfältiges Gefüge zusammen, das den Schluss zulässt: Rechtsextremismus ist auch möglich, weil die Zivilgesellschaft versagt.
Die Autorin will mit ihrem Buch den Müttern und Eltern Mut machen, ihr Schweigen zu brechen. Die Veranstalter der Lesung, die „Aktionsbündnisse Rudow und Neukölln“ sowie der Kulturverein „Alte Dorfschule Rudow“ wollen zeigen, wo diese Eltern Hilfe erhalten können. Denn dies ist in Rudow und in Neukölln angesichts der Übergriffe von Neonazis dringend geboten.
Die Veranstaltung ist auch eine Erinnerung an den Brandanschlag im Rudower Blumenviertel 2008.
Hier fanden rassistisch motivierte Brandanschläge auf die Wohnhäuser von zwei Familien mit
Migrationshintergrund statt. Nur durch Zufall sind damals keine Menschen zu Schaden gekommen.
Doch die psychischen Folgen bleiben und die anfangs fehlende nachbarschaftliche Solidarität verunsicherte die Betroffenen sehr.
Die Tatsache, dass die jungen Täter aus der Nachbarschaft kamen, hat viele Menschen erschreckt, aber auch wachgerüttelt. In den letzten Jahren haben sich Bürgerinnen und Bürger in Initiativen und mit Unterstützung von Projekten, Politik und Verwaltung für Demokratie und Menschenrechte
eingesetzt.
Die Aktivitäten der Rechtsextremen haben seitdem aber nicht nachgelassen. Immer wieder kommt es im Norden Neuköllns zu Angriffen gegen Projekte und Einrichtungen, die sich klar gegen Rechtsextremismus engagieren. Auch im Süden finden sich regelmäßig rechtsextreme Propagandadelikte.
In den vergangenen zwei Jahren hat das Aktionsbündnis mit Kundgebungen an die Brandanschläge erinnert. In diesem Jahr wollen wir mit unserer Veranstaltung Eltern sensibilisieren, Mut machen und auf Hilfestellung verweisen, wenn ihre Kinder den Gefahren des Rechtsextremismus ausgesetzt sind.
Das Aktionsbündnis Rudow und das Bündnis von Neukölln sind Zusammenschlüsse von Vereinen, Institutionen, Parteien und anderen aktiven Bürgerinnen und Bürgern. Das Aktionsbündnis Rudow wird seit seiner Gründung beraten und unterstützt von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (www.mbr-berlin.de).
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder
sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
Bei Veranstaltungen mit *Anmeldung erbeten jeweils bis Freitag - 12:00 Uhr - über:
oder telefonisch: 030/ 660 68 310
Bestellte Karten sind bis 15 Min. vor der Veranstaltung abzuholen.